Kirchengebäude und wissenswertes

Die katholische Pfarrkirche St Johannes Baptist zu Unter-Schönmattenwag

  
Der Ortsteil Unter-Schönmattenwag besitzt eine besonders stattliche barocke Pfarrkirche, die wohl die schönste unter den älteren Kirchen des Überwaldes genannt werden darf. 
 
Klicken Sie auf dieses Bild um es zu vergrößern
Die katholische Pfarrei war erst 1748 errichtet worden, und bald danach (1768) fasste man einen Neubau ins Auge. Der Maurermeister Anton Rappoldt aus Hirschhorn lieferte einen ersten Entwurf, doch erst 1775 wurde die bestehende Kirche nach Plänen des Wormser Stiftsbaumeisters Georg Günther begonnen und nach dessen Tod 1781 von Maurermeister Matthias Morath aus Heidelberg Anfang der 80er Jahre vollendet (Weihe erst 1789).
Dieser Bau ist ohne nennenswerte Änderungen vollständig auf uns gekommen und bietet heute samt seiner Inneneinrichtung ein vorzügliches Beispiel für Barockkirchen im Odenwald.
 
Er besteht aus einem dreirechteckigen Saal mit eingezogenem, außen dreiseitig geschlossenen, innen gerundeten Altarraum. An der Ostseite (die heutige Kirche ist nord-süd-gerichtet) steht der quadratische, im 15. Jahrhundert umgebaute, aber wahrscheinlich wesentlich ältere Turm, der mit einer reichgegliederten Zwiebelhaube des 18. Jahrhunderts geschmückt ist und der weit ins Land hinein grüßt, weil die Kirche hoch über der Hauptstraße auf einer Terrasse am Fuß des stimmungsvollen, nach Osten hin ansteigenden Friedhofes liegt.
Die äußere Gliederung geben sehr wirkungsvoll Eckpilaster aus Werkstein am Schiff, Ecklisenen mit kapitellähnlichem Gewände an der Westseite, ein ähnliches Portal, das noch mit einer Nische gekoppelt ist, an der Nordseite und die segmentbogigen Fester, die an der Westseite Ohrengewände tragen, mit profilierten Bogenstücken verdacht und mit wellenförmig geschweiften Tropfleisten besetzt sind.
 
Klicken Sie auf dieses Bild um es zu vergrößernDas Äußere bietet also einen Formenreichtum, der für den Überwald, ja südlichen Odenwald überhaupt, einmalig genannt werden kann und nur mit der Herkunft des Architekten aus dem Wormser Kunstkreis erklärt werden kann.
 
Ein scheinbar nebensächliches Motiv, der gerundete Übergang vom Chor zum Langhaus, zeigt, dass bis hierher in den Odenwald Anregungen aufgenommen wurden, die aus dem fränkischen Kreis der Schule um Balthasar Neumann stammen.
 
Das Innere korrespondiert mit dem reichhaltigen Äußeren durchaus. Der Saal ist mit einer Muldendecke gewölbt, in die in den Fensterachsen Stichkappen einschneiden, auch das ein für den Odenwälder Barock ungewöhnliches Motiv. Die Längswände sind mit Pilastern gegliedert, deren Kapitelle die Form des Hauptgesimses aus Stuck in den Südteilen am nördlichen Ende des Schiffes aufnehmen. Der gerundete Altarraum erhält durch hinter Pilastern verborgene Fenster indirekt Beleuchtung. Auf der Empore der Nordseite des Schiffes sitzt die Orgel (Prospekt in nach-empfundenen klassizistischen Formen von 1901).
 
Besondere Beachtung verdient die einheitliche barocke Innenausstattung. Das Prunkstück ist der Hochaltar, dessen Rahmen von zwei, jeweils beiderseitig angeordneten, Doppelsäulen gebildet wird, deren Kompositkapitelle reichprofilierte, ausladende Gebälkstücke tragen. Darauf sitzen akanthusverzierte Volutenschwünge, die nach oben zu ein kleines Postament tragen, auf dem sich über der Erdkugel das Kreuz erhebt.
 
Klicken Sie auf dieses Bild um es zu vergrößernDazwischen steht auf der Mensa ein Baldachin mit einem Drehtabernakel, darauf, zwischen den Säulen, ein großes Kruzifix, das von zwei Engeln bewacht wird. Die ganze Anlage wurde von Johann Miachel Düchert aus Heidelberg aus Holz gefertigt und dann so bemalt, dass Marmoreffekte vorgetäuscht werden. Die Seitenaltäre tragen ebenfalls holzverkleidete Mensen aus der Hand Dücherts, nur die Aufbauten wurden 1895/96 dazugefügt.
 
Aus der Werkstatt Dücherts stammt auch die schöne klassizistische Kanzel. Der halbrunde, reich verzierte Korpus bringt in den Brüstungsfeldern Gesetzestafeln mit den 10 Geboten und 5 päpstlichen Geboten. Der Schalldeckel ist durch Schabracken und Gitterwerk verziert und wird von kräftigen Voluten bekrönt, die eine Urne tragen.
 
Von der sonstigen Ausstattung wären noch ein Beichtstuhl aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das Gestühl aus der Erbauungszeit, eine Kommunionbank aus dem 18. Jahrhundert und zwei Holzplastiken (die Heiligen Petrus und Paulus) aus dem Ende des 15. Jahrhunderts zu nennen.
 
Im April 1978 erhielt die Kirche eine neue Glocke, und zwar die größte in ihrem Geläut. Sie wurde am 23. April 1978 auf den Namen „Ave Maria“ getauft.